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Stress ist in unserer hektischen Zeit zu einem Modewort geworden, jeder
benutzt es, und sagt:
"Ich hab' Stress!"
Jeder benutzt es wahrscheinlich sehr individuell, und keiner fragt eigentlich
genau nach, was der- oder diejenige damit meint. Der Begriff Stress umfasst
eine Vielfalt von Wirkungen auf den menschlichen Organismus und setzt sich
aus unterschiedlichen Aspekten zusammen.
Eine allgemeine Definition von Stress könnte lauten:
"Stress ist eine Reaktion des menschlichen Organismus und der Psyche
auf sogenannte Stressoren, die aus der Umwelt oder aus dem Inneren des
Menschen selbst stammen und eine erhöhte Anspannung verursachen."
Der biologische Mechanismus, der dem Stressphänomen zugrunde liegt,
ist hinlänglich bekannt. Auf eine plötzliche Beanspruchung von
außen (z. B. Gefahr) reagiert der menschliche Organismus mit zwei
entwicklungsgeschichtlich sinnvollen Reaktionsmustern:
Flucht oder Angriff - für beides benötigt er schnell verfügbare
Energie, die dem Körper über Hormone (der berühmte Adrenalinstoss)
und der dadurch veranlassten Freisetzung von Zucker, Eiweiß und
Fettsäuren zur Verfügung gestellt werden. Diese Energie wird
in der Handlung abgebaut, die Leistung wird erfüllt.
Der moderne Mensch erlebt Stress häufig durch ein zuviel an Anforderungen
von außen (äußere Stressoren) wie z.B. die Übernahme
neuer Aufgaben, hoher Termindruck, Ärger mit dem Chef oder Mitarbeiter,
Partnerschaftskonflikte oder Umweltfaktoren wie Lärm und Abgase oder
(innere Stressoren) wie überzogener Ehrgeiz oder unbewältigte
Konflikte aus der Familie oder der eigenen Biographie.
Nun ist der moderne Mensch ein ausgesprochen bewegungsarmer Mensch, und
die zur Verfügung gestellte Energie wird nicht mehr oder nur sehr
wenig in Bewegung umgesetzt. Stress ist sozusagen ein Daueralarmzustand,
der nicht entsprechend abgebaut werden kann.
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Ebenen der Stressreaktion
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Auf die oben genannten Stressoren reagiert nun jeder Mensch anders, die
Stressreaktion läuft aber erwiesenermaßen immer mit körperlichen,
gedanklichen und verhaltensbezogenen Anteilen ab (Abb. 1).
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STRESSREAKTION
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Körper
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Gedanken/ Gefühle
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Verhalten
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z.B.:
Puls
Blutdruck
Muskelspannung
Atemfrequenz
Blutgerinnung
Verdauung
Immunkompetenz
Sexualfunktion*
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z.B.:
Angst
Ärger
Enttäuschung
"Immer ich."
"Das schaffe ich nie."
"Jetzt ist alles aus."
"Ich muss das ganz alleine schaffen."
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z.B.:
hastig und verkrampft arbeiten
gereizt gegenüber anderen
mangelnde Planung und Übersicht
fehlende Pausen
Rauchen
"nebenbei" Essen
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Abb. 1: Körperliche, gedankliche und verhaltensbezogene
Stressreaktionen.
Bleiben wir einen Moment bei den körperlichen Reaktionen, so wird
deutlich, warum Stress so gesundheitsgefährdend ist und für
eine Reihe von typischen Zivilisationskrankheiten (wie u.a. Arteriosklerose
= Gefäßverkalkung, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall)
verantwortlich gemacht werden kann.
Vor allem zwei Mechanismen sind dabei wichtig:
Erstens die vermehrte Bereitstellung von Blutzucker aus der Leber (v.a.
für das Gehirn) durch Abbau von Körpereiweiß (v.a. aus
der Muskulatur) und die Freisetzung von Fettsäuren zur Verbrennung
in den Muskeln aus den Fettvorräten des Körpers.
Zweitens die im Falle von Flucht oder Angriff durchaus sinnvolle erhöhte
Gerinnungsfähigkeit des Blutes.
Beide Faktoren bedingen zusammen genommen eine dramatische Verdickung
des Blutes.
Aber auch Immunsystem und die Sexualität sind beeinträchtigt:
Wir finden Zyklusstörungen, Impotenz und Störungen der Samenreife.
Auch dies ist biologisch sinnvoll - der Organismus benötigt für
Fortpflanzung und Lust in der Liebe Ruhe und Entspannung und nicht einen
ständigen Alarmzustand.
Nun neigen wir Menschen dazu, im Stress weitere gesundheitsschädliche
Dinge zu tun, im Bemühen, mit dem Stress fertig zu werden:
Wir greifen vermehrt zur Zigarette (Rauchen unterdrückt die durch
den Stress entstandene physiologische Erregung), wir ernähren uns
ungesund und unregelmäßig und bewegen uns viel zu wenig - ein
Kreislauf mit fatalen Folgen.
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Das Antistressprogramm "Gelassen und sicher im Stress" folgt
über einen Zeitraum von 12 Wochen einem relativ festgelegten Schema,
in dem es neben der Vermittlung von medizinischem Wissen über die
o.g. Abläufe um die Entschärfung der äußeren Stressoren
und um die innere Bewältigung von Stress und um Entspannung, Ernährung,
Bewegung und Genuss geht. In der Regel wird dieser Kurs über den
o.g. Zeitraum von den Krankenkassen angeboten oder im Rahmen der innerbetrieblichen
Gesundheitsförderung auch schon mal auf 6 halbe oder drei ganze Tage
verteilt.
Um sich selbst in Bezug auf mögliche Stresssymptome zu überprüfen,
arbeitet das Programm mit einer Reihe von Checklisten. Hier ein Auszug aus
der Checkliste: Warnsignale für Stress.
Folgende Checkliste ("CHECKLISTE: Warnsignale für Stress")
kommt auch als extra Punkt in das linke Frame + extra Stopper à
ist aber ein UNTERPUNKT des Seitenpunktes ANTISTRESSPROGRAMM
CHECKLISTE: WARNSIGNALE FÜR STRESS
Die folgenden Punkte können Anzeichen für Überforderung
sein. Welche davon haben Sie in den letzten 14 Tagen an sich feststellen
können?
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Stark
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leicht
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kaum/gar nicht
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Punkte
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Körperliche Warnsignale
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Herzklopfen/ Herzstiche
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2
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1
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0
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Engegefühl in der Brust
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2
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1
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0
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Atembeschwerden
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2
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1
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0
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Einschlafstörungen
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2
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1
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0
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chronische Müdigkeit
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2
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1
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0
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Abb. 2: Checkliste körperlicher Warnsignale
Eine wichtige Unterscheidung habe ich bisher nicht getroffen, die für
die Bewältigung von Stress eine große Bedeutung hat und der
ich mich jetzt zuwenden will. Es ist die Unterscheidung von Eustress und
Disstress. Die griechische Vorsilbe "Eu" deutet schon darauf
hin, dass es sich dabei um guten Stress handelt, der für das Überleben
der Menschheit und die Selbsterhaltung des einzelnen unentbehrlich ist.
Die oben beschriebenen Stressoren bewirken einen kurzen Alarmzustand des
Organismus und eine vorübergehende Aktivierung. Dem folgt eine Erholungs-
bzw. Entspannungsphase. Eustress ist ein Wechselspiel von Arbeit/Leistung
und Erholung/Entspannung. Disstress meint den beschriebenen Dauerzustand
von ständiger Alarmbereitschaft und damit ein Übermaß
an Belastung und Anspannung. Daraus folgt, dass der eigenen Fähigkeit,
eine stressige Situation zu beenden und äußere Anforderungen
als Herausforderung und nicht als Belastung zu sehen, eine große
Rolle in der Stressbewältigung zukommt. Dazu im folgenden das Modell
der Stressbewertung nach Lazarus, das in zwei Schritten erfolgt. Demnach
ist unsere Stressreaktion davon abhängig, mit welcher gedanklichen
Bewertung wir an äußere Ereignisse herangehen.
Folgende Beispielsituation in Abb. 3 macht dies deutlich:
Zusätzlich zu Ihrer vielen Arbeit bekommen Sie vom Chef eine neue
Aufgabe zugeteilt mit der Bemerkung, dass er dafür einen fähigen
Mitarbeiter brauche.
Einschätzen der Situation (primäre Bewertung)
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irrelevant:
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stressbezogen:
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positiv/günstig:
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"O.K., das mache ich mit links. Alles Routine!"
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"Wenn das nur gut geht. Ich darf jetzt keinen Fehler machen"
(Bedrohung) "Immer ich. Das nächste Wochenende ist damit
gestorben". (Schaden/Verlust) "Das ist eine Chance! Ich
werde mich anstrengen." (Herausforderung)
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"Interessante Tätigkeit! Endlich 'mal 'was Neues. Gut,
dass er mich ausgewählt hat."
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Einschätzen eigener Kompetenzen (sekundäre Bewertung)
"Wie soll ich das bloß schaffen ?"
"Bisher habe ich neue Aufgaben immer gepackt."
"Was ich nicht kann, kann ich lernen".
Ich bin diesem ständigen Druck nicht gewachsen" etc.
Abb. 3: Das Modell der primären und sekundären Stressbewertung
nach Lazarus
Wann immer wir also äußeren Ereignissen mit einer stressbezogenen
Bewertung (mittlerer Kasten) begegnen, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit,
dass wir eine äußere Anforderung als Stress erleben. Eine weitere
Checkliste zielt denn auch auf stressverschärfende Gedanken, wie
in Abb. 4 zu sehen ist.
Folgende Checkliste ("CHECKLISTE: stressverschärfende Gedanken")
kommt auch als extra Punkt in das linke Frame + extra Stopper à
ist aber ein UNTERPUNKT des Seitenpunktes ANTISTRESSPROGRAMM
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vertraut
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nicht vertraut
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Schwarzmalerei und Hilflosigkeit
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Ich halte das nicht durch.
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Das geht bestimmt schief.
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Ich werde versagen.
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Ich habe doch sowieso immer Pech.
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Abb. 4: Checkliste stressverschärfender Gedanken.
Die gute Nachricht zum Schluss: Unseren von vielen scheinbaren Sachzwängen
selbstgeschaffenen Stress können wir einiges entgegensetzen. Wir
können ein leistungsfähiges und trotzdem entspanntes Leben führen
und damit unserer Gesundheit einen großen Dienst erweisen.
Literatur: Kaluzza, G. (2002). Gelassen und sicher im Stress. Springer-Verlag.
Wagner-Link, A. (2001). Aktive Entspannung und Stressbewältigung.
Expert-Verlag
Autor:
Bernhard Broekman, Dipl. - Psychologe, Klinischer Psychologe/Psychotherapeut
BDP, Supervisor DVG, Trainer und Berater und Fortbildungsleiter für
das Gestalt-Institut-Frankfurt/M führt seit 10 Jahren im Raum Wiesbaden/Mainz
für Krankenkassen und Unternehmen Nichtraucherkurse und Stressmanagementkurse
durch.
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